Ich verstehe das Leben immer noch nicht. Mit viel Ironie und schlechtem Humor versuche ich es zu meistern. Den kleinen Problemen des Alltags stelle ich mich furchtlos entgegen und weine nächtelang wegen der Großen.
Alles in der Hoffnung, mir nicht eines Tages den Kopf zu rasieren und ohne Unterwäsche aus dem Auto zu steigen. Ach, was wären wir alle nur ohne Hollywoodskandale?
Über Kritik zu meinem Versagen in Grammatik, Rechtschreibung und Zeichensetzung würde ich mich tatsächlich freuen.
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Sonntag, 2. Juni 2013

Dreaming about the things that we could be.

Lately, I've been, I've been losing sleep
Dreaming about the things that we could be.

to Anna

Bevor ihr die Augen verdreht, gebt diesem Post eine Chance! Tut ihn euch bis zum Schluss an, bitte! Denn hier ist der bereits angekündigte Feminismus-Post. Feminismus ist so ein Wort, bei dem neunzig Prozent erst mal ein kalter Schauer über den Rücken läuft. Hallo, Welt der unrasierten Beine, verbrannter BHs und Alice Schwarzer! Und hey, ich meine, an was soll man auch sonst denken? Hab ich auch immer gedacht und es demnach für schrecklich empfunden. Wer verbrennt schon BHs? Habe nicht wirklich die Oberweite, mit der das nichttragen von BHs eine gute Idee wäre. Alles in allem bin ich eigentlich das Gegenstück zum Feminismus. Ich bin einer dieser schrecklichen Menschen, die jede Frau „Ische“ nennt und über „Frauen in der Küche“-Witze lacht. Als ich in Rom war, habe ich auf die Frage „Gibt es im Vatikan eigentlich auch Frauen“ mit der äußerst charmanten Aussage „Klar, irgendwer muss doch die Wäsche waschen“ geantwortet. Das war auch mein kompletter Ernst damals. Man konnte mich jahrelang mit dem Wort Feminismus jagen, schließlich sind wir doch emanzipiert. Männer und Frauen haben doch die gleichen Rechte. Was soll also der ganze Aufstand um dieses Thema noch? Ich will sowieso Hausfrau und Mutter werden, da ist Feminismus doch überflüssig, nervtötend und unheimlich peinlich. I've never been so wrong.
Es ist mir mittlerweile unglaublich peinlich, dass ich relativ alt werden musste um den Wert von Feminismus zu erkennen. Ich versuche hier jetzt auch niemanden zu bekehren. Ihr könnt alle eure BHs anlassen, ihr könnt so viel Make-Up benutzen wie ihr möchtet, ihr könnt mit so vielen Männern schlafen wie ihr möchtet. Das ist euer Recht! Das ist das Recht jeder Frau. Ihr könnt aber auch auf BHs scheißen, nie Make-Up tragen und bis zur Hochzeit enthaltsam sein. Das ist das Recht jeder Frau! Und schon sind wir mitten im Thema: Jede Frau hat absolute Entscheidungsfreiheit über ihr Leben und ihren Körper und sollte von niemandem verurteilt werden.
Ich will im Grunde nur auf einen einzigen Punkt hinaus: Feminismus ist auch heute noch wichtig. Vielleicht sogar wichtiger als es in den 60er Jahren war. Denn in den 60ern wussten Frauen, dass es ein Problem gibt. Das Männern und Frauen nicht gleichberechtigt sind und haben dagegen etwas unternommen. Aber heutzutage belügen wir uns selbst. Wir reden uns ein, wir wären gleichberechtigt sind es aber leider noch lange nicht. Aber kaum eine Frau tut etwas dagegen, weil wir es nicht sehen. Vielleicht einfach nicht sehen wollen. Das muss sich ändern. Wir müssen wieder sehen, dass es so, wie es ist, nicht richtig ist [keine Sorge, ich geh da gleich näher drauf ein, aber ich muss ja erst mal meine epische Einleitung beenden ;-)]. Ich persönlich bin der Meinung, dass jede klar denkende Frau feministische Gedanken in sich trägt. Beziehungsweise würde ich noch weiter gehen und sagen, dass jeder denkende Mann im Grunde seines Herzens Feminist ist. Jeder denkende Mensch sollte Feminismus unterstützen. Es geht jetzt auch gar nicht darum, irgendjemanden dazu bringen zu wollen, laut „ICH BIN FEMINIST“ in die Welt zu schreien, es geht einfach darum, über die Situation in unserer Gesellschaft nachzudenken. Zu merken, dass da vielleicht das ein oder andere noch falsch läuft.

Leider habe ich gerade die meisten meiner Bücher zu dem Thema Feminismus verliehen. Daher ist alles, was jetzt kommt mehr oder weniger aus meinen Kopf und ohne Quellenangaben. Sobald ich die Bücher wieder habe, update ich das ganze hier mit den Quellen, damit auch jedem klar ist, dass ich mir nicht irgendwas aus den Fingern sauge.
Ich möchte auch gar nicht so ausführlich auf alle Aspekte von Feminismus eingehen, es gibt dutzende Bücher, die sich mit diesen Themen befassen und es hat seine Gründe, warum diese Bücher mehrere hundert Seiten füllen. [Außerdem wäre es etwas dekadent zu behaupten, ich würde alle Themengebiete kennen, mit denen sich Feminismus beschäftigt.] Ich werde nur vier Themengebiete anschneiden, die man sich am besten auf der Zunge zergehen lässt und über sie nachdenkt. Sehr intensiv nachdenkt.
  1. Die ultimative Beleidigung.
Das schlimmste Schimpfwort, dass dir für eine Frau einfällt? Schlampe, Hure, Bitch.
Das schlimmste Schimpfwort, dass dir für einen Mann einfällt? Pussy, Schwuchtel, Hurensohn, Mädchen.
Gut, ich gebe zu, dieses Beispiel funktioniert auf Englisch besser [fag, girl, pussy, cunt, sucker, und so weiter und so weiter] als auf deutsch [im Deutschen haben wir noch Arschloch, Wichser, blablabla] aber man erkennt das Grundkonzept, oder? Die Bezeichnungen für eine Frau sind nur unnette Umschreibungen für eine Frau. Die Bezeichnungen für einen Mann sind einmal eine politisch sehr unkorrekte Bezeichnung für einen homosexuellen Mann [worüber ich mich auch locker stundenlang aufregen könnte.] und der Rest sind Beleidigungen gegen die Mutter bzw. schlicht das Wort Mädchen und der Name eines Körperteils einer Frau. Jessica Valenti leitet so ihr Buch „Full Frontal Feminism“ ein und regt dazu an, zu hinterfragen, wieso die ultimative Beleidigung Frau-sein ist? Wieso ist Mädchen überhaupt eine Beleidigung? Entschuldigung, sind Mädchen weniger Wert als Jungs? Was macht Mädchen-sein schlechter?
Passend dazu ist vor ein paar Tagen dieses Bild auf 9gag gepostet worden.
Verwendete Schimpfwörter für einen Mann: "Fag", "Bitch", "Pussy"
Wenn wir mal den Inhalt ignorieren und nur auf die Wörter achten, die die männlichen Strichmännchen verwenden, muss einem doch klar werden, irgendwas ist mit unserer Gesellschaft falsch. Es gibt so viele geschlechtsneutrale, politisch korrekte Schimpfwörter, warum können wir die nicht verwenden? Wieso können wir uns nicht „Arsch“, „Idiot“, „Dummkopf“, „Schwächling“, „Verlierer/Loser“ an den Kopf werfen? Sind wir dazu jetzt zu cool? Sind wir zu cool für Respekt gegenüber anderen Menschen? [Ich ignoriere einfach mal, das Schimpfwörter und Respekt gegenüber Anderen an und für sich Antithesen sind. Aber wenn es jetzt nur wie in diesem Bild ist, wer fake-beleidigt seine Freunde nicht manchmal? Das ist auch völlig ok und verletzt auch – wenn überhaupt – nur die Person die wirklich beleidigt wird, aber wenn du Wörter wie „Mädchen“ oder „Schwuchtel“ oder „Spast“ verwendest, beleidigst du nicht nur die Person, sondern mit ihr eine ganze Personengruppe. Und wie man merkt bin ich ganz schön vom Thema Feminismus und Respekt gegenüber Frauen abgekommen und in das Thema Respekt ALLEN Menschen gegenüber gerutscht. Gut so, es geht nämlich leider nicht nur Frauen so.]
    1. Ähm, ich kann tragen was ich möchte?
Lustigerweise ist dies das Thema, dass mich überhaupt erst dazu gebracht hat, mich etwas intensiver mit Feminismus zu befassen. Jeder, der ab und an im Internet unterwegs ist, wird es schon gesehen haben: Kommentare unter Bilder von verschiedenen Promis wie Katy Perry – meist von jungen Männern, die noch nicht mal aus der Pubertät draußen sind – mit freundlichem Inhalten wie „Woah, geiler Ausschnitt. Will ich bangen. Und dieser Arsch, yummy.“ [denkt euch hier einfach noch ein paar Rechtschreibfehler]. Das wechselt sich ab mit Kommentaren von – ebenfalls noch mitten in der Pubertät steckenden – Mädchen, die das etwas anders sehen: „Ihh, hat sie keinen Respekt vor sich? Zeigt ihre Titten immer so offensichtlich!“ [hier bitte CooL€ ScHr31Bw€iSe einfügen].
Dazu hab ich genau Eins zu sagen: Es geht niemanden an, was ich trage! Niemanden! Wenn ich jeden Tag in Minirock und mit Ausschnitt bis zum Bauchnabel rumlaufen möchte, ist das mein Recht. Und es ist nicht das Recht von anderen – egal ob männlich oder weiblich – mich deshalb zu verurteilen. Ich bin deshalb keine Schlampe. Ich habe deshalb immer noch Respekt vor meinem Körper. Ich kann doch zeigen, was ich habe, wenn ich das möchte. Ich bin deshalb nicht leicht zu haben. Und nur weil ich einen Rock trage, heißt das nicht, dass ich möchte, dass man mir alle fünf Meter hinterher pfeift. Alter, was geht denn? Egal was eine Person trägt, sie ist ein ganz normales menschliches Wesen! Die Person verdient Respekt. Sie will nicht Sex mit dir, nur weil da ein Rock ist. Sie provoziert dich nicht damit! Es ist keine Ausrede, warum du sie vergewaltigst [Ja, victim blaming! Ist tatsächlich 'ne Sache. „Sie hat ihre Vergewaltigung herausgefordert, sie hatte 'nen Minirock an.“ WILLST DU MICH VERARSCHEN? Und es gibt auf diesem Planeten Gerichte, die Vergewaltiger wegen solchen Argumenten FREI sprechen. Auch so ein Thema, auf das ich besser jetzt nicht eingehe, sonst sitzen wir morgen noch hier.] Aber hört mal, das ganze funktioniert auch andersrum. Wenn ich jeden Tag, auch im Hochsommer, hochgeschlossene Oberteile trage, dann ist das auch ok. Wenn ich jeden Tag Hosen trage, macht mich das nicht prüde. Das macht mich zu einer Person, die Hosen mag. Und Hosen sind toll. [Was man hier jetzt noch toll anhängen könnte ist: Warum ist Merkel so oft mit ihren „Modesünden“ in der Zeitung? Wen interessiert überhaupt, was sie trägt? Warum war das angeblich „roboterähnliche“ Lachen von Hilary Clinton viel öfter als ihre politischen Ansichten Thema in den Medien? Wer bestimmt eigentlich was schön ist? Wieso lassen wir uns von den Medien so krass in diesen Schlankheitswahn treiben? Warum sind wir eigentlich nie glücklich mit dem Weg wie wir aussehen? Wer profitiert eigentlich davon, dass Frauen sich ständig schlecht und unsicher in ihrer Erscheinung fühlen?]

3. Hausfrau und Mutter - willkommen im Rollenklischee.

Wir sind ja gleichberechtigt. Erkennt man daran, dass Männer und Frauen heutzutage relativ 50/50 in den Universitäten sind. Das ist grandios. Frauen sind oft besser als Männer in der Schule, haben bessere Abschlüsse, alles ist Klasse. Frauen haben Visionen von Selbstständigkeit, beruflichem Erfolg und Familie. Kriegt man heutzutage ja locker alles unter einen Hut, weil es ja Arbeitsteilung gibt. Männer machen die Hälfte und Frauen die andere. Haushalt, Kinder, alles wir gerecht geteilt. Denn das ist, was Gleichberechtigung bedeutet und wir sind gleichberechtigt, oder? Nein, leider nicht. Denn wenn man dann mal guckt, wer die Arbeit aufgibt und zuhause bleibt, bei den Kindern, ist es erstaunlich oft die Frau. Egal was für Träume von Karriere sie vorher hatte. Egal ob sie vielleicht bessere Verdienstmöglichkeiten als der Mann gehabt hätte. Gut, Kinder sind halt so 'ne Sache, kann man von mir aus so argumentieren, aber bei der Hausarbeit sieht das ganze sicher anders aus. HAHA! Die durchschnittliche Frau ist ordentlich als ich und hat meistens einen Freund/Lebenspartner/Ehemann und macht den Großteil der Hausarbeit, wenn nicht sogar die komplette Hausarbeit. Und ich rede gerade nicht nur von den Frauen, die Hausfrau sind. Ich rede auch von Frauen, die einen Vollzeitjob haben. Ich rede auch von Frauen, die mit einem Mann zusammen leben, der weniger arbeitet als die Frau. Trotzdem machen diese Frauen mehr im Haushalt als die Männer. Entschuldigung, entsteht Dreck nur durch weibliche Pheromone und sind wir deshalb verpflichtet sie zu beseitigen? Hat mein Biolehrer vergessen mir zu erklären, dass sobald man ein Y-Chromosomen hat, keinen Dreck produziert? Gut zu wissen. Frage mich dann aber, warum es bei meinem Bruder aussieht wie Sau.
Also, kommen wir zum Punkt: Wir sind nicht gleichberechtigt. Damit meine ich nicht nur, dass Frauen öfter als Männer ihre Arbeit aufgeben, um für die Kinder zu sorgen [die meines Wissens nach von beiden gezeugt wurden und nicht nur von der Frau. Das hat mein Biolehrer nämlich nicht vergessen zu erklären.] oder das Frauen den Großteil der Hausarbeit machen, nein ich meine damit auch, dass Frauen weniger Verdienen als Männer – im gleichen Job wohlgemerkt – und weniger oft an Führungspositionen kommen. Und dann gibt es da die anderen Frauen, die Frauen, die sich auf ihre Karriere konzentrieren und eben keine Kinder wollen. OMG! EINE FRAU DIE KEINE KINDER WILL! VERBENNT DIE HEXE! Wie kann sie es wagen? Da hat sie einen Uterus und will ihn nicht verwenden? Wir sind unglaublich gleichberechtigt, bis es zu den alten Rollenklischees von Mann und Frau kommt, die immer noch bewusst oder unbewusst in einem Großteil der Gesellschaft verankert sind. Egal wie groß die Träume von Frauen am Anfang ihres Studiums, ihres Arbeitslebens sind, landen sie am Ende viel zu oft am Ende hinter dem Herd. Und während das sicher auch toll ist, ist da doch irgendwas komisch, oder? [Und natürlich gibt es Ausnahmen! Es gibt großartige Hausmänner, wundervolle Väter, klasse gleichberechtigte Beziehungen. Ich bewundere diese Beziehungen, ehrlich, nur brauchen wir mehr davon. Nicht weniger. Bevor du deinem Freund das nächste Mal seine Wäsche wäschst, überlege dir gut, warum du das tust und ob er das nicht vielleicht selber kann.]


4. Jede Nacht Sex mit einem anderen mann ist das gottverdammte Recht jeder Frau.

Slut-Shaming. Wuhu. Tolles Thema, sehr beliebt im Internet. Geht ein bisschen in die Richtung von Thema #2, nur noch ein bisschen krasser. Jetzt geht es nicht mehr nur um das, was du trägst, sondern das was du tust. Und weil der Post schon abartig lang ist, die ultrakurz Fassung: Du kannst mit so vielen Männern schlafen wie du möchtest. Du kannst auch mit gar keinen Männern schlafen. Ist beides völlig in Ordnung. Du kannst genau das tun, was du möchtest und niemand sollte dich dafür verurteilen. Aber [immer dieses scheiß aber] sei dir bewusst warum du etwas tust, ok? Fühle dich nie dazu gezwungen, mit einem Mann zu schlafen, nur weil es alle anderen auch machen. Oder weil es das Bild in den Medien ist. Die Mädchen, die man im Fernsehprogramm sieht, sind jung, hübsch und haben hemmungslos Sex. Mit allem was bei drei nicht auf den Bäumen ist. Das ist auch völlig in Ordnung, wenn man darauf Bock hat. Das gibt anderen aber nicht das Recht, schlecht über dich zu sprechen, dich zu verurteilen oder dich „Nutte“ oder „Schlampe“ zu nennen. Du kannst dein Leben so genießen, wie du es möchtest! Und bei Männern sagt ja auch niemand „WAS? Du hast mit zehn Frauen geschlafen? Ist schon ein bisschen billig!“ [oh und sollte irgendjemand jemals zu dir sagen „Ein Schlüssel, der in jedes Schloss passt, ist ein toller Schlüssel, aber ein Schloss, in das jeder Schlüssel passt, ist nutzlos“ hast du offiziell von mir die Erlaubnis, ihm in seine Geschlechtsteile zu treten.] Wo ist die Gleichberechtigung hier?

Ich könnte noch unheimlich viel mehr dazu sagen. Werde ich auch. Immer mal wieder in einem Post. Denn es gibt eine Menge, über die wir reden sollten, über die wir nachdenken sollten. Eine Menge, mit der wir uns kritisch auseinander setzen sollten. Und wenn du irgendetwas, was ich sage und schreibe, nicht nachvollziehen kannst oder für absoluten Schwachsinn hältst, ist das ok. Sag es mir, wenn dir danach ist. Lach mich aus, wenn dir danach ist. Ist alles vollkommen ok, aber wenn du auch nur einmal gedacht hast „Ich bin zwar kein Feminist/keine Feministin, aber eigentlich sollte jeder tragen können was er möchte/aber eigentlich ist Mädchen wirklich ein scheiß Schimpfwort/aber eigentlich ist das wirklich komisch, dass nur Frauen ihre Karriere zurück stellen/aber eigentlich ist slut-shaming das dümmste auf diesem Planeten“, dann muss ich dir leider sagen: „Shit, ich fürchte du bist Feminist.“

with Love

xoxoxo

Mittwoch, 22. Mai 2013

Livedokumentation: Essayabgabe


Wenn dich irgendetwas dazu bringt, deine Essays/Hausarbeiten/was auch immer rechtzeitig anzufangen und nicht bis auf die letzte Minute zu verschieben, dann ist es dieser Post! 

Livedokumentation: Essayabgabe

Ich denke, es wird recht unterhaltsam, wenn ich eine Art „Tagebuch“ über meine Verzweiflung führe. Außerdem, was ist besser, als sich ablenken zu können, wenn man sich nicht ablenken lassen sollte? Kurze Situationsbeschreibung: Es ist gerade 20:09 und morgen habe ich Abgabetermin eines achthundert Wort-Essays mit dem Thema: „Why is Albert Angelo considered a postmodern novel?“. Wir müssen mindestens drei Sekundärquellen angeben und am besten wäre es, wenn das ganze Sinn ergibt. Wie im vorherigen Post beschrieben, habe ich gerade eben erst das Word-Dokument geöffnet. Na, wenn das kein guter Start ist.

19:03 Komme zuhause an. Uni war lang, Uni war anstrengend. Warum habe ich das Essay nicht geschrieben als der Abgabetermin noch in weiter Ferne war? Wieso wusste ich von Anfang an, dass ich es die Nacht davor machen würde? Wieso? Uni! Da wollte ich mich eigentlich anstrengend. Ich bin doch jetzt erwachsen. Ich neige leider zum absoluten Verdrängen. Wenn ich etwas ignoriere, wird es nie passieren. Klappt bei Dingen wie Abgabeterminen leider nur nie so ganz. Egal. Jetzt esse ich erst mal was. Essen schadet nie.

20:12 Urgh. Das sieht nach unheimlich viel Arbeit aus. Nachdem ich jetzt schon über meine Situation gebloggt habe und dieses sexy Tagebuch gestartet habe, noch mal schnell zu Rewe Engery Drinks und Snacks kaufen. Das wird definitiv eine Nachtschicht, die ich ohne Coffein nicht überlebe. Nach einer Stunde habe ich noch nicht mal nach einem Sekundärtext gesucht. Wenn ich bedenke, dass meine Semesterbeiträge teilweise dafür genutzt werden, unserer Uni Onlinezugänge zu Zeitschriften zu bezahlen, möchte ich jetzt am liebsten gleich hundert Euro mehr bezahlen. Wenn ich alle Quellen in der Bibliothek finden müsste, wäre ich jetzt ziemlich geliefert.

20:51 Ich wähle den eine-Stunde-Soundtrack von den Avengers als perfekte Arbeitsmusik. Was motiviert mehr zum erfolgreichen Arbeiten als die Avengers? Nichts. Ich werde zu einem Genie wie Iron Man, zu einem perfekten, schwülstigen Englischsprecher wie Thor, zu einem Mensch, der Strategie und Formulierung wie Captain America um sich haut. Ich fühle es in meinem Blut! Wut macht Bruce zu Hulk, Averngermusik macht mich zu Virginia Woolf. Ich merke schon wie mein Blut kocht! Oh, guckt mal! Auf Tumblr hat gerade eine meiner Freunde zwanzig sinnlose Fragen über sich selbst beantwortet. Spannend, sie trägt heute schwarze Unterwäsche mit weißen Punkten. Essay? Was für ein Essay?

21:03 Ich schreibe die erste Facebook-Nachricht an Anna. Ich schildere ihr die Situation. Achthundert Wörter bis morgen. Über ein Thema zu dem ich noch keinen einzigen Sekundärtext gelesen habe. Wieso? Wieso bin ich wie ich bin?

21:05 Ich habe die ersten 29 Wörter. Ist doch gar nicht mal so schlecht, oder? Wenn ich dieses Tempo aufrecht halte, sollte ich in hundert Stunden fertig sein. Aber mein zuckerfreier Red Bull ist fast alle. Wieso trinke ich den eigentlich zuckerfrei? Vermutlich damit ich kein schlechtes Gewissen haben muss, dass ich mir ca. 200 g puren Zucker in Form von Mr. Tom in den Mund schaufel.

22:13 Kaffee. Ich habe Kaffee gekocht. Jeder der mich kennt, wird erstaunt nach Luft schnappen. Ich schmecke Kaffee selbst aus Starbucks-Caramel-Getränken raus und verziehe das Gesicht. Allein der Geruch von Kaffe dreht mir den Magen um. Aber ich bin mir sicher, Coffein wird mein Retter sein. Ich habe eine obszöne Menge Milch und braunen Zucker in die eklig schmeckende, braune Flüssigkeit gerührt. Geschmack ist erträglich, immer noch nicht lecker.

22:16 Meine zweite Nachricht an Anna: “Mich hat das Studentenleben eingeholt. Ich trinke Kaffee. Mit einer obszönen Menge an Milch und Zucker, aber Kaffee. Ich glaube, ich bin nicht zum studieren geeignet. Wenn ich sehe wie viel Spaß es allen macht und ich bin nur heillos überfordert. Versteh mich nicht falsch, es macht Spaß, aber ich schaffe es einfach nicht, dieses Essay zu schreiben. Lieber trinke ich ekligen Kaffee, in der Hoffnung, dass das Coffein die Steuerung in meinem Körper übernimmt und mich zu einem Genie macht. Ich habe nur noch 13 Stunden und 45 Minuten. Aber immerhin schon 29 Wörter. Fehlen ja nur noch 771.“ [Groß- und Kleinschreibung sowie Rechtschreibung nachträglich verändert.]

22:40 Ich fühle mich als wäre ich betrunken. Kaffee tut mir wirklich nicht gut. Alles vor meinen Augen ist verschwommen – ja, ich trage meine Brille, daran liegt es also nicht – in meinem Kopf schwirren Gedanken umher. Ich kann sie nicht festhalten. Ich weiß immer noch nicht, was Postmodernismus ist.

22:53 Eine dritte Nachricht an Anna: „Weißt du was? Ich sende jetzt einfach eine Bewerbung an McDonalds und lass es gut sein“ Der Avengers-Soundtrack ist durch. Ist wohl nichts geworden mit der unheimlichen Motivationskraft. Ich mach Harry Potter an. Ich meine, wo wenn nicht in Hogwarts lernt man am Besten?

23:25 Ich beschließe, den WLAN-Router zu ziehen. Ohne Internet MUSS ich doch arbeiten, oder? Leider stelle ich fest, dass ich den einen Sekundärtext nur mir Internet lesen kann – hey, merkt ihr was? Ich hab zumindest schon angefangen Sekundärtexte zu lesen! Internet-High-Five! – ansonsten findet er immer, wenn ich „umblättere“ die Seite nicht. Wuhu. Ist ja nicht so als würde ich auch nur ein Wort verstehen. Aber wenigstens habe ich wieder Internet und eine Möglichkeit mich vor dem Arbeiten zu drücken. War Tumblr schon immer so spannend?

23:52 ICH HABE DIE EINLEITUNG. Ungefähr einhundertfünfzig Wörter, die mein thesis statement einleiten. Ich bin glücklich, ich könnte weinen vor Freude. Meine Hände zittern. Mein Energydrink ist schon fast wieder alle. Nein, das ist mein letzter. Rewe hat schon zu, macht erst in acht Stunden wieder auf. Ich denke über Rewe nach. Rewe ist ein wichtiger Teil meines Lebens geworden, wenn man bedenkt, dass ich nie einen betreten hatte, bevor ich nach Frankfurt zog.

00:43 Ich weiß nicht, was ich eine Stunde lang getan habe. Ich bin kein Wort weiter. Aber mein Rockstar ist beinah alle. Dann kommt jetzt wohl mein Cola Light Vorrat dran. Vielleicht genehmige ich mir gleich eine Zigarette. Oder trinke doch noch diesen ekligen Kaffee. Ich habe mich jetzt erfolgreich bei jedem Menschen den ich kenne darüber beschwert, dass ich chronisch faul bin. Übrigens habe ich nun zu einer Setlist gewechselt, die abwechselnd Rihanna und Bosse spielt. Musikgeschmack im Keller!

01:19 Oh mein Gott, was war das? Das erste Argument ist komplett formuliert und ich finde es gut. Ich trinke gerade an meiner ersten Flasche Coke dieser Nacht. Ich liebe Cola Light, beste Erfindung Amerikas. Wer Amerika nicht liebt, würdigt Cola Light einfach nicht genug. Ergibt dieser Satz Sinn? Nein, aber muss er das? Nein, nur mein Essay muss Sinn ergeben und oh mein Gott, klingt es bis jetzt gut.

02:02 466 Wörter. Aber ich hab nichts mehr zu sagen. Ich weiß nicht, womit ich noch vierhundert Wörter schaffen soll. Wörter schaffen, so etwas haben nur Genies getan. Wie Goethe. Ich gehöre zu Brechts Knechten. Wörter sind harte Arbeit. Es dauert, sie zu formen. Man muss über sie nachdenken, ihnen Bedeutung geben. Wörter schafft man nicht, man erarbeitet sie. Ich vergleiche mein Essay gerade mit Brecht. Ich sollte super dringend ins Bett. Aber ich habe erst knapp über die Hälfte. Vor allem sind bereits jetzt so viele der Wörter Zitate. Urgh. Ich schmeiße mal schnell die Zitate raus.....

02:04 360 Wörter ohne Zitate. Ich sterbe.

02:13 Ich habe den letzten Riegel aus der Packung Mr. Tom gegessen. Wuhu. Ich habe gerade drei Milliarden Kalorien verdrückt. Gratulation. Wenigstens sinnlos essen kann ich.

02:41 Ich stecke fest. Ich finde nichts worüber ich noch schreiben könnte. Ich meine, natürlich gibt es genug Dinge über die man schreiben könnte, aber ich muss es ja auch belegen, beweisen, wirklich unterstützen können. Argh. Und um ehrlich zu sein, weiß ich noch immer nicht was Postmodernismus ist.

02:50 Ich stelle einen Rekord in Pinkelpausen auf. Und werde nun den Tod des Autors ausnutzen. Wenn es ein Thema gibt, das mir zu den Ohren raushängt, dann ist es der Tod des Autors. Aber ich werde es nun schamlos ausnutzen. Wenn ich irgendwas auf 300 Wörter ausdehnen kann, dann Foucault und Bathes blöden Tod des verdammten Autors.

03:19 675. almost. Ich kann mein Betts schon fast spüren. Die Decke auf meiner Haut, mein Elefant in meinem Arm – ja, ich schlafe mit einem Kuschelelefanten, sein Name ist Törö. Der erste der lacht, kriegt auf's Maul!

03:23 Wusstet ihr, dass Calvin Kleins „Obsession“ anziehend auf Tiger, Jaguar und Löwn wirkt? Also tragt das besser nicht bei der Safari ;-)

03:25 Mal ganz ehrlich, ich habe über 1000 Wörter geschrieben, als ich mich darüber aufregte, dass Disney das Charakterdesign von Merida ändert. Wieso schaff ich dann nicht mal achthundert über ein so ergiebiges Thema???

03:48 Ein Argument. Ich muss nur noch ein einziges Argument finden. Wo hat es sich nur versteckt? Ich brauche nur einen guten Sekundärtext. Und ich wäre fertig. Warum tauchst du nicht auf? Ich glaube, Coffein fließt durch meine Adern. Was ist Blut? Nein, mal ehrlich: Was ist Blut? Habt ihr das jemals verstanden? Rote Blutkörperchen, weiße Blutkörperchen. Zu viele weiße Blutkörperchen und wir bekommen Leukämie. In Kinderbüchern werden die Blutkörperchen immer wie kleine Roboter dargestellt. Vielleicht sind wir alle Roboter, gesteuert von Nanorobotern in unserem Blut? Tötet man seine Nanoroboter mit zu viel Alkohol und Coffein? Sind wir nur dann unser wahres Roboter-Ich, wenn die Nanoroboter verwirrt sind? Und weil wir das so peinlich finden, leisten wir freiwillig Aufbauhilfe, retten die Nanoroboter. Wir sind lieber die von Nanorobottern besetzte Version als die ehrliche, peinliche, betrunkene. 

04:30 ES WIRD DOCH WOHL EINE SCHEIß SEKUNDÄRQUELLE GEBEN, DIE MEIN BESCHISSENES DRITTES ARGUMENT UNTERSTÜTZT! WILLST DU KRIEG???!

05:13 Wow. Vor zehn Minuten war es draußen noch dunkel, jetzt höre ich Vögel und es ist wahnsinnig hell. Wtf.

06:23 Ich hab die bibliografische Angabe beendet. Urgh.

06:53 Ein paar stunden Schlaf sind drin, oder?

07:02 Ich lese gerade noch schnell das Essay einer Freundin Korrektur. In meinem Zustand. Haha, aber ich habe immerhin noch ein paar kleine Fehler gefunden. Jetzt aber wirklich ins Bett!

12:00 Mein Wecker klingelt. Ich habe gut geschlafen. Schnell diesen Blog-Eintrag lesen, verbessern, sich über meinen Gehirnzustand wundern. So habe ich ein Essay geschrieben? Kann ja nur absoluter Horror sein. Nun gut, auf das stürze ich mich jetzt noch mal. Werde hoffentlich nicht alles löschen müssen, weil es absoluter Nonsense ist. Ach ja, ich kam tatsächlich auf 950 Wörter.  

Donnerstag, 16. Mai 2013

Throwback Thursday: Mai 2008


Throwback Thursday: Mai 2008

Ich liebe die Idee von Throwback Thursday. Was gibt es tolleres, als durch alte Bilder zu suchen, sich über sich selbst zu wundern und Erinnerungen an ultra peinliche Ereignisse im Kopf wieder aufleben zu lassen? Außerdem denke ich, dass man Menschen viel besser versteht, wann man ihre „wilde Jugend“ sieht. Ich bezeichne mich nun wirklich nicht als uralt und hoffe doch, dass ich noch immer IN meiner Jugend bin, aber meine wilde Teenager-Zeit ist leider vorbei. Vielleicht auch nicht ganz so leider, wenn ich hier ein Foto von meinem [noch] 15-jährigem Ich sehe.
Das erste Mal habe ich mir meine Haare am 01. Mai 2008 pink gefärbt. Ich weiß das noch ziemlich genau, weil am 02. Mai 2008 der zehnte Todestag von hide war. hide war ein japanischer Musiker den ich vergöttert habe. Da er kurz vor meinem sechsten Geburtstag gestorben ist, habe ich seine Musik erst lange nach seinem Tod entdeckt [irgendwann zwischen 12 und 14] und seitdem beschlossen, mich tierisch in seinen Tod hinein zu steigern. Besagter Musiker hatte pinke Haare, also brauchte auch ich pinke Haare. Vor allem wenn es um seinen zehnten Todestag ging und ich traditionell weinen, Kerzen anzünden und um meinen Seelenverwandten trauern wollte.
Ich habe einen Moment überlegt, die Pickel mit Hilfe von Photoshop zu entfernen, aber ich dachte mir, es ist schön zu sehen, dass meine Haut mal NOCH schlechter war als sie es jetzt ist. Und auch wenn es viele Menschen nicht glauben, hier ist der Beweis: MEINE MAKE-UP FÄHIGKEITEN HABEN SICH VERBESSERT. [Ich glaube es selbst am wenigsten, aber dieses Bild, dieses Augen „Make-Up“. Herrlich.]
Hach ja. War ich nicht unglaublich schön? Besonders gut gefallen mir diese drei Steinchen, die ich mir ins Gesicht geklebt habe. Wollt ihr auch wissen, womit ich sie da hin geklebt habe? Holzleim. Ich verarsche hier gerade keinen. Ich habe mir jahrelang [omg. es reicht nicht, dass ich mir mal Steine ins Gesicht geklebt habe, nein, ich habe das JAHRElang gemact. WHY?] Steinchen mit Holzleim ins Gesicht geklebt. Warum, weiß ich heute auch nicht mehr genau. Ich bin mir nicht sicher, ob es daran lag, dass vor fünf Jahren künstliche Wimpern noch nicht so in waren und es dementsprechend schwer war an Wimpernkleber zu kommen oder ob es mir einfach zu teuer war. Ich meine, so eine Mini-Tube Wimpernkleber kostet 2 Euro. Eine 200 ml-Flasche Holzleim kostet das selbe. BITTE KLEBT EUCH NICHT EURE KÜNSTLICHEN WIMPERN MIT HOLZLEIM AN! Aber alles andere funktioniert damit perfekt. Ich habe mir auch Federn, Papier und was weiß ich ins Gesicht geklebt. Holzleim ist, was Kleber an geht, mit der hautverträglichste, am leichtesten wieder lößbare Kleber. Allerdings nicht dermatologisch getestet.
Hier noch ein Bild um die ganze Pracht meiner Haare zu bewundern.
Alles in allem finde ich aber, dass ich ziemlich Style hatte. Ich meine, schaut euch das Vorhängeschloss an! Sexy. Besonders sexy war es, als mein Opa gestorben ist und wir zu unseren Verwandten nach Düsseldorf wegen der Beerdigung gefahren sind. Auf Beerdigungen machen sich so Vorhängeschlösser allerdings nicht wirklich. Aber hatte ich den Schlüssel dabei? Nein, natürlich nicht. Mein Onkel hat dann am Abend davor mit einer Zange die Kette aufgebogen. Blamage, juchu.
Oh und wo wir gerade meinen Schmuck betrachten, dieses Hundehalsband. Wollt ihr wissen, wo ich es gekauft habe? Nein, nicht im Gothic-Laden meines Vertrauens, schön wäre es. Dieses Schmuckstück habe ich im Fressnapf gekauft.
Wenigstens hatte ich damals sexy Beine. Warum sind die weg und das Hundehalsband noch in meinem Schrank daheim?