Ich verstehe das Leben immer noch nicht. Mit viel Ironie und schlechtem Humor versuche ich es zu meistern. Den kleinen Problemen des Alltags stelle ich mich furchtlos entgegen und weine nächtelang wegen der Großen.
Alles in der Hoffnung, mir nicht eines Tages den Kopf zu rasieren und ohne Unterwäsche aus dem Auto zu steigen. Ach, was wären wir alle nur ohne Hollywoodskandale?
Über Kritik zu meinem Versagen in Grammatik, Rechtschreibung und Zeichensetzung würde ich mich tatsächlich freuen.
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Sonntag, 2. Juni 2013

Dreaming about the things that we could be.

Lately, I've been, I've been losing sleep
Dreaming about the things that we could be.

to Anna

Bevor ihr die Augen verdreht, gebt diesem Post eine Chance! Tut ihn euch bis zum Schluss an, bitte! Denn hier ist der bereits angekündigte Feminismus-Post. Feminismus ist so ein Wort, bei dem neunzig Prozent erst mal ein kalter Schauer über den Rücken läuft. Hallo, Welt der unrasierten Beine, verbrannter BHs und Alice Schwarzer! Und hey, ich meine, an was soll man auch sonst denken? Hab ich auch immer gedacht und es demnach für schrecklich empfunden. Wer verbrennt schon BHs? Habe nicht wirklich die Oberweite, mit der das nichttragen von BHs eine gute Idee wäre. Alles in allem bin ich eigentlich das Gegenstück zum Feminismus. Ich bin einer dieser schrecklichen Menschen, die jede Frau „Ische“ nennt und über „Frauen in der Küche“-Witze lacht. Als ich in Rom war, habe ich auf die Frage „Gibt es im Vatikan eigentlich auch Frauen“ mit der äußerst charmanten Aussage „Klar, irgendwer muss doch die Wäsche waschen“ geantwortet. Das war auch mein kompletter Ernst damals. Man konnte mich jahrelang mit dem Wort Feminismus jagen, schließlich sind wir doch emanzipiert. Männer und Frauen haben doch die gleichen Rechte. Was soll also der ganze Aufstand um dieses Thema noch? Ich will sowieso Hausfrau und Mutter werden, da ist Feminismus doch überflüssig, nervtötend und unheimlich peinlich. I've never been so wrong.
Es ist mir mittlerweile unglaublich peinlich, dass ich relativ alt werden musste um den Wert von Feminismus zu erkennen. Ich versuche hier jetzt auch niemanden zu bekehren. Ihr könnt alle eure BHs anlassen, ihr könnt so viel Make-Up benutzen wie ihr möchtet, ihr könnt mit so vielen Männern schlafen wie ihr möchtet. Das ist euer Recht! Das ist das Recht jeder Frau. Ihr könnt aber auch auf BHs scheißen, nie Make-Up tragen und bis zur Hochzeit enthaltsam sein. Das ist das Recht jeder Frau! Und schon sind wir mitten im Thema: Jede Frau hat absolute Entscheidungsfreiheit über ihr Leben und ihren Körper und sollte von niemandem verurteilt werden.
Ich will im Grunde nur auf einen einzigen Punkt hinaus: Feminismus ist auch heute noch wichtig. Vielleicht sogar wichtiger als es in den 60er Jahren war. Denn in den 60ern wussten Frauen, dass es ein Problem gibt. Das Männern und Frauen nicht gleichberechtigt sind und haben dagegen etwas unternommen. Aber heutzutage belügen wir uns selbst. Wir reden uns ein, wir wären gleichberechtigt sind es aber leider noch lange nicht. Aber kaum eine Frau tut etwas dagegen, weil wir es nicht sehen. Vielleicht einfach nicht sehen wollen. Das muss sich ändern. Wir müssen wieder sehen, dass es so, wie es ist, nicht richtig ist [keine Sorge, ich geh da gleich näher drauf ein, aber ich muss ja erst mal meine epische Einleitung beenden ;-)]. Ich persönlich bin der Meinung, dass jede klar denkende Frau feministische Gedanken in sich trägt. Beziehungsweise würde ich noch weiter gehen und sagen, dass jeder denkende Mann im Grunde seines Herzens Feminist ist. Jeder denkende Mensch sollte Feminismus unterstützen. Es geht jetzt auch gar nicht darum, irgendjemanden dazu bringen zu wollen, laut „ICH BIN FEMINIST“ in die Welt zu schreien, es geht einfach darum, über die Situation in unserer Gesellschaft nachzudenken. Zu merken, dass da vielleicht das ein oder andere noch falsch läuft.

Leider habe ich gerade die meisten meiner Bücher zu dem Thema Feminismus verliehen. Daher ist alles, was jetzt kommt mehr oder weniger aus meinen Kopf und ohne Quellenangaben. Sobald ich die Bücher wieder habe, update ich das ganze hier mit den Quellen, damit auch jedem klar ist, dass ich mir nicht irgendwas aus den Fingern sauge.
Ich möchte auch gar nicht so ausführlich auf alle Aspekte von Feminismus eingehen, es gibt dutzende Bücher, die sich mit diesen Themen befassen und es hat seine Gründe, warum diese Bücher mehrere hundert Seiten füllen. [Außerdem wäre es etwas dekadent zu behaupten, ich würde alle Themengebiete kennen, mit denen sich Feminismus beschäftigt.] Ich werde nur vier Themengebiete anschneiden, die man sich am besten auf der Zunge zergehen lässt und über sie nachdenkt. Sehr intensiv nachdenkt.
  1. Die ultimative Beleidigung.
Das schlimmste Schimpfwort, dass dir für eine Frau einfällt? Schlampe, Hure, Bitch.
Das schlimmste Schimpfwort, dass dir für einen Mann einfällt? Pussy, Schwuchtel, Hurensohn, Mädchen.
Gut, ich gebe zu, dieses Beispiel funktioniert auf Englisch besser [fag, girl, pussy, cunt, sucker, und so weiter und so weiter] als auf deutsch [im Deutschen haben wir noch Arschloch, Wichser, blablabla] aber man erkennt das Grundkonzept, oder? Die Bezeichnungen für eine Frau sind nur unnette Umschreibungen für eine Frau. Die Bezeichnungen für einen Mann sind einmal eine politisch sehr unkorrekte Bezeichnung für einen homosexuellen Mann [worüber ich mich auch locker stundenlang aufregen könnte.] und der Rest sind Beleidigungen gegen die Mutter bzw. schlicht das Wort Mädchen und der Name eines Körperteils einer Frau. Jessica Valenti leitet so ihr Buch „Full Frontal Feminism“ ein und regt dazu an, zu hinterfragen, wieso die ultimative Beleidigung Frau-sein ist? Wieso ist Mädchen überhaupt eine Beleidigung? Entschuldigung, sind Mädchen weniger Wert als Jungs? Was macht Mädchen-sein schlechter?
Passend dazu ist vor ein paar Tagen dieses Bild auf 9gag gepostet worden.
Verwendete Schimpfwörter für einen Mann: "Fag", "Bitch", "Pussy"
Wenn wir mal den Inhalt ignorieren und nur auf die Wörter achten, die die männlichen Strichmännchen verwenden, muss einem doch klar werden, irgendwas ist mit unserer Gesellschaft falsch. Es gibt so viele geschlechtsneutrale, politisch korrekte Schimpfwörter, warum können wir die nicht verwenden? Wieso können wir uns nicht „Arsch“, „Idiot“, „Dummkopf“, „Schwächling“, „Verlierer/Loser“ an den Kopf werfen? Sind wir dazu jetzt zu cool? Sind wir zu cool für Respekt gegenüber anderen Menschen? [Ich ignoriere einfach mal, das Schimpfwörter und Respekt gegenüber Anderen an und für sich Antithesen sind. Aber wenn es jetzt nur wie in diesem Bild ist, wer fake-beleidigt seine Freunde nicht manchmal? Das ist auch völlig ok und verletzt auch – wenn überhaupt – nur die Person die wirklich beleidigt wird, aber wenn du Wörter wie „Mädchen“ oder „Schwuchtel“ oder „Spast“ verwendest, beleidigst du nicht nur die Person, sondern mit ihr eine ganze Personengruppe. Und wie man merkt bin ich ganz schön vom Thema Feminismus und Respekt gegenüber Frauen abgekommen und in das Thema Respekt ALLEN Menschen gegenüber gerutscht. Gut so, es geht nämlich leider nicht nur Frauen so.]
    1. Ähm, ich kann tragen was ich möchte?
Lustigerweise ist dies das Thema, dass mich überhaupt erst dazu gebracht hat, mich etwas intensiver mit Feminismus zu befassen. Jeder, der ab und an im Internet unterwegs ist, wird es schon gesehen haben: Kommentare unter Bilder von verschiedenen Promis wie Katy Perry – meist von jungen Männern, die noch nicht mal aus der Pubertät draußen sind – mit freundlichem Inhalten wie „Woah, geiler Ausschnitt. Will ich bangen. Und dieser Arsch, yummy.“ [denkt euch hier einfach noch ein paar Rechtschreibfehler]. Das wechselt sich ab mit Kommentaren von – ebenfalls noch mitten in der Pubertät steckenden – Mädchen, die das etwas anders sehen: „Ihh, hat sie keinen Respekt vor sich? Zeigt ihre Titten immer so offensichtlich!“ [hier bitte CooL€ ScHr31Bw€iSe einfügen].
Dazu hab ich genau Eins zu sagen: Es geht niemanden an, was ich trage! Niemanden! Wenn ich jeden Tag in Minirock und mit Ausschnitt bis zum Bauchnabel rumlaufen möchte, ist das mein Recht. Und es ist nicht das Recht von anderen – egal ob männlich oder weiblich – mich deshalb zu verurteilen. Ich bin deshalb keine Schlampe. Ich habe deshalb immer noch Respekt vor meinem Körper. Ich kann doch zeigen, was ich habe, wenn ich das möchte. Ich bin deshalb nicht leicht zu haben. Und nur weil ich einen Rock trage, heißt das nicht, dass ich möchte, dass man mir alle fünf Meter hinterher pfeift. Alter, was geht denn? Egal was eine Person trägt, sie ist ein ganz normales menschliches Wesen! Die Person verdient Respekt. Sie will nicht Sex mit dir, nur weil da ein Rock ist. Sie provoziert dich nicht damit! Es ist keine Ausrede, warum du sie vergewaltigst [Ja, victim blaming! Ist tatsächlich 'ne Sache. „Sie hat ihre Vergewaltigung herausgefordert, sie hatte 'nen Minirock an.“ WILLST DU MICH VERARSCHEN? Und es gibt auf diesem Planeten Gerichte, die Vergewaltiger wegen solchen Argumenten FREI sprechen. Auch so ein Thema, auf das ich besser jetzt nicht eingehe, sonst sitzen wir morgen noch hier.] Aber hört mal, das ganze funktioniert auch andersrum. Wenn ich jeden Tag, auch im Hochsommer, hochgeschlossene Oberteile trage, dann ist das auch ok. Wenn ich jeden Tag Hosen trage, macht mich das nicht prüde. Das macht mich zu einer Person, die Hosen mag. Und Hosen sind toll. [Was man hier jetzt noch toll anhängen könnte ist: Warum ist Merkel so oft mit ihren „Modesünden“ in der Zeitung? Wen interessiert überhaupt, was sie trägt? Warum war das angeblich „roboterähnliche“ Lachen von Hilary Clinton viel öfter als ihre politischen Ansichten Thema in den Medien? Wer bestimmt eigentlich was schön ist? Wieso lassen wir uns von den Medien so krass in diesen Schlankheitswahn treiben? Warum sind wir eigentlich nie glücklich mit dem Weg wie wir aussehen? Wer profitiert eigentlich davon, dass Frauen sich ständig schlecht und unsicher in ihrer Erscheinung fühlen?]

3. Hausfrau und Mutter - willkommen im Rollenklischee.

Wir sind ja gleichberechtigt. Erkennt man daran, dass Männer und Frauen heutzutage relativ 50/50 in den Universitäten sind. Das ist grandios. Frauen sind oft besser als Männer in der Schule, haben bessere Abschlüsse, alles ist Klasse. Frauen haben Visionen von Selbstständigkeit, beruflichem Erfolg und Familie. Kriegt man heutzutage ja locker alles unter einen Hut, weil es ja Arbeitsteilung gibt. Männer machen die Hälfte und Frauen die andere. Haushalt, Kinder, alles wir gerecht geteilt. Denn das ist, was Gleichberechtigung bedeutet und wir sind gleichberechtigt, oder? Nein, leider nicht. Denn wenn man dann mal guckt, wer die Arbeit aufgibt und zuhause bleibt, bei den Kindern, ist es erstaunlich oft die Frau. Egal was für Träume von Karriere sie vorher hatte. Egal ob sie vielleicht bessere Verdienstmöglichkeiten als der Mann gehabt hätte. Gut, Kinder sind halt so 'ne Sache, kann man von mir aus so argumentieren, aber bei der Hausarbeit sieht das ganze sicher anders aus. HAHA! Die durchschnittliche Frau ist ordentlich als ich und hat meistens einen Freund/Lebenspartner/Ehemann und macht den Großteil der Hausarbeit, wenn nicht sogar die komplette Hausarbeit. Und ich rede gerade nicht nur von den Frauen, die Hausfrau sind. Ich rede auch von Frauen, die einen Vollzeitjob haben. Ich rede auch von Frauen, die mit einem Mann zusammen leben, der weniger arbeitet als die Frau. Trotzdem machen diese Frauen mehr im Haushalt als die Männer. Entschuldigung, entsteht Dreck nur durch weibliche Pheromone und sind wir deshalb verpflichtet sie zu beseitigen? Hat mein Biolehrer vergessen mir zu erklären, dass sobald man ein Y-Chromosomen hat, keinen Dreck produziert? Gut zu wissen. Frage mich dann aber, warum es bei meinem Bruder aussieht wie Sau.
Also, kommen wir zum Punkt: Wir sind nicht gleichberechtigt. Damit meine ich nicht nur, dass Frauen öfter als Männer ihre Arbeit aufgeben, um für die Kinder zu sorgen [die meines Wissens nach von beiden gezeugt wurden und nicht nur von der Frau. Das hat mein Biolehrer nämlich nicht vergessen zu erklären.] oder das Frauen den Großteil der Hausarbeit machen, nein ich meine damit auch, dass Frauen weniger Verdienen als Männer – im gleichen Job wohlgemerkt – und weniger oft an Führungspositionen kommen. Und dann gibt es da die anderen Frauen, die Frauen, die sich auf ihre Karriere konzentrieren und eben keine Kinder wollen. OMG! EINE FRAU DIE KEINE KINDER WILL! VERBENNT DIE HEXE! Wie kann sie es wagen? Da hat sie einen Uterus und will ihn nicht verwenden? Wir sind unglaublich gleichberechtigt, bis es zu den alten Rollenklischees von Mann und Frau kommt, die immer noch bewusst oder unbewusst in einem Großteil der Gesellschaft verankert sind. Egal wie groß die Träume von Frauen am Anfang ihres Studiums, ihres Arbeitslebens sind, landen sie am Ende viel zu oft am Ende hinter dem Herd. Und während das sicher auch toll ist, ist da doch irgendwas komisch, oder? [Und natürlich gibt es Ausnahmen! Es gibt großartige Hausmänner, wundervolle Väter, klasse gleichberechtigte Beziehungen. Ich bewundere diese Beziehungen, ehrlich, nur brauchen wir mehr davon. Nicht weniger. Bevor du deinem Freund das nächste Mal seine Wäsche wäschst, überlege dir gut, warum du das tust und ob er das nicht vielleicht selber kann.]


4. Jede Nacht Sex mit einem anderen mann ist das gottverdammte Recht jeder Frau.

Slut-Shaming. Wuhu. Tolles Thema, sehr beliebt im Internet. Geht ein bisschen in die Richtung von Thema #2, nur noch ein bisschen krasser. Jetzt geht es nicht mehr nur um das, was du trägst, sondern das was du tust. Und weil der Post schon abartig lang ist, die ultrakurz Fassung: Du kannst mit so vielen Männern schlafen wie du möchtest. Du kannst auch mit gar keinen Männern schlafen. Ist beides völlig in Ordnung. Du kannst genau das tun, was du möchtest und niemand sollte dich dafür verurteilen. Aber [immer dieses scheiß aber] sei dir bewusst warum du etwas tust, ok? Fühle dich nie dazu gezwungen, mit einem Mann zu schlafen, nur weil es alle anderen auch machen. Oder weil es das Bild in den Medien ist. Die Mädchen, die man im Fernsehprogramm sieht, sind jung, hübsch und haben hemmungslos Sex. Mit allem was bei drei nicht auf den Bäumen ist. Das ist auch völlig in Ordnung, wenn man darauf Bock hat. Das gibt anderen aber nicht das Recht, schlecht über dich zu sprechen, dich zu verurteilen oder dich „Nutte“ oder „Schlampe“ zu nennen. Du kannst dein Leben so genießen, wie du es möchtest! Und bei Männern sagt ja auch niemand „WAS? Du hast mit zehn Frauen geschlafen? Ist schon ein bisschen billig!“ [oh und sollte irgendjemand jemals zu dir sagen „Ein Schlüssel, der in jedes Schloss passt, ist ein toller Schlüssel, aber ein Schloss, in das jeder Schlüssel passt, ist nutzlos“ hast du offiziell von mir die Erlaubnis, ihm in seine Geschlechtsteile zu treten.] Wo ist die Gleichberechtigung hier?

Ich könnte noch unheimlich viel mehr dazu sagen. Werde ich auch. Immer mal wieder in einem Post. Denn es gibt eine Menge, über die wir reden sollten, über die wir nachdenken sollten. Eine Menge, mit der wir uns kritisch auseinander setzen sollten. Und wenn du irgendetwas, was ich sage und schreibe, nicht nachvollziehen kannst oder für absoluten Schwachsinn hältst, ist das ok. Sag es mir, wenn dir danach ist. Lach mich aus, wenn dir danach ist. Ist alles vollkommen ok, aber wenn du auch nur einmal gedacht hast „Ich bin zwar kein Feminist/keine Feministin, aber eigentlich sollte jeder tragen können was er möchte/aber eigentlich ist Mädchen wirklich ein scheiß Schimpfwort/aber eigentlich ist das wirklich komisch, dass nur Frauen ihre Karriere zurück stellen/aber eigentlich ist slut-shaming das dümmste auf diesem Planeten“, dann muss ich dir leider sagen: „Shit, ich fürchte du bist Feminist.“

with Love

xoxoxo

Dienstag, 21. Mai 2013

I'm talking loud. Not saying much.


I'm talking loud. Not saying much.

to Anna

„Ich werde ein diszipliniertes Leben führen!“ „Ich werde regelmäßig für die Uni lernen.“ „Ich plane mein Leben so, dass ich Aufgaben nicht bis auf den letzten Moment verschiebe.“ „Ab heute mache ich wieder Diät!“ „Heute lerne ich schon mal für die Prüfungen.“ So höre ich mich an. Regelmäßig. Mindestens einmal im Monat sage ich zwei dieser Sätze. Morgen ist Abgabetermin für ein achthundert Wörter Essay über das Postmoderne in dem Roman Albert Angelo. Wir müssen mindestens drei Sekundärquellen aufführen. Wollen wir raten, wer gerade erst ein Word Dokument geöffnet hat und eine Tafel Schokolade gegessen hat? Was ist überhaupt P o s t m o d e r n e ? 

with Love
xoxoxo

Montag, 13. Mai 2013

We need to concentrate on more than meets the eye

We need to concentrate on more than meets the eye

to Anna

Eigentlich wollte ich ja einen Rhythmus aufbauen, regelmäßig Dinge bloggen, in einem bestimmten System an dem Blog arbeiten, aber es scheint als soll es einfach nicht so sein. Aus aktuellem Anlass schmeiße ich mich voll ins Thema. Meine momentane Leidenschaft ist Sexismus, Geschlechterunterschiede und wie die Medien das ganze beeinflussen und lenken. Dazu kommt nächsten Samstag ein wundervoller Blog-Eintrag, aber wie gesagt, ich muss ein wenig vorweg greifen.
Wir kennen vermutlich alle Merida. Der aktuelle Disney-Film, der sogar einen Oscar gewonnen hat. Entweder man mag den Film oder man mag ihn halt nicht, ich persönlich fand ihn nicht gut. Die Handlung war flach – nun gut, es war Disney, was erwarte ich? – die Witze im Vergleich zu anderen Disney-Filmen nicht gut und mich hat die Stimmung auch nicht berührt. Aber was keiner von uns leugnen kann ist, dass Merida doch ziemlich emanzipiert war. Oder für alle, die das Wort emanzipiert nicht mögen: sie war stark, selbstbewusst, eigensinnig, ein dickköpfiges, zickiges, echtes Mädchen. Natürlich ist das nicht sonderlich schwer, wenn die Vorgängerinnen Schneewittchen oder Ariel heißen. Keiner möchte leugnen, dass Disney nicht an seinem präsentierten Bild der Frau gearbeitet hat. Es ging Stück für Stück aufwärts, wir hatten Mulan, Rapunzel mit der Bratpfanne und Tiana, die ihrem Traum folgte. Merida war zu all dem der bisherige Höhepunkt, sie hatte endlich keinen Kerl. Es ging wirklich nur um sie [und ihre Mutter]. Das hat sich super verkauft, der Film hat Disney mal wieder Millionen an glänzenden Dollar eingebracht – um genau zu sein 550 Millionen2. Als Dank wurde die rothaarige Schottin in die Riege der Disney-Prinzessinnen aufgenommen [auch so eine Sache, die sich tierisch gut verkauft für Disney. „Der Umsatz der Produktlinie Disney-Prinzessinnen schnellte von 136 Millionen Dollar im Jahr 2001 hoch auf 1,3 Milliarden Dollar 2003 und stieg 2007 nochmals auf vier Milliarden Dollar.“1 Diese nicht ganz aktuellen Zahlen mal ganz kurz auf sich wirken lassen und – wenn man eine Minute Zeit hat – dabei gleichzeitig über die Werte, die Disney-Prinzessinnen im allgemeinen vermitteln, nachdenken. Danke.].
Hier nun ein Bild von Merida, nachdem Disney noch mal über ihr Charakterdesign gegangen ist und sie „aufgehübscht“ hat, damit sie nun einer Prinzessin würdig ist und sich neben Dornröschen und Jasmin nicht blamiert:
2

Nehmt euch wirklich einen Moment und schaut euch die beiden Bilder und die Unterschiede an. Man kommt sich ein bisschen vor wie bei „Finde die fünf Fehler im Bild“, nicht wahr? Oder bei diesen mittlerweile sehr beliebten „Vor-Photoshop“ und „Nach-Photoshop“ Bildern von Prominenten. Wo Katy Perrys Brüste angehoben  und Jennifer Lawrence Oberschenkel schmaler gemacht werden [finde gerade das Beweisbild dazu nicht, sorry]. Die Unterschiede in den Bildern sind klein und doch so extrem krass. Mir fallen gerade kaum Worte zu Merida ein, deshalb hier die treffenden Worte der Schöpferin von dem Film: x. Ziemlich interessant, was sie dazu zu sagen hat.
Wie von ihr in dem Artikel erwähnt, sind die Hauptunterschiede von der alten zur neuen Merida die verschmälerte Hüfte, das gebändigte Haar, die riesigen Augen, das glitzernde Kleid und die Schmolllippen. Und natürlich kann man nun argumentieren, Mädchen mögen schöne Puppen lieber. Mädchen mögen lieber Kleider die glitzern. Aber wie der Artikel mehr als deutlich ausdrückt, hat Disney es gar nicht nötig sie zu verändern. Im Gegensatz zu mir mochten Kinder diesen Film. Er hat sich bereits verkauft und ich zitiere jetzt Brenda Chapman – Schöpferin von Merida: „[Disney] wurde die Möglichkeit, ihren Kunden etwas mit mehr Substanz und Qualität – DAS SICH VERKAUFT HAT – zu bieten, auf einem silbernen Tablett überreicht und sie haben diese Möglichkeit aufgrund ihrer engstirnigen Meinung, was sich verkauft, nicht beachtet. Ich habe vergessen, dass es Disneys Ziel ist, Geld zu verdienen ohne sich über Richtigkeit der Methoden Gedachten zu machen.“2
Ich bin ehrlich gesagt ziemlich enttäuscht von Disney. Logischerweise werden nun hunderte von Stimmen kommen, die der festen Überzeugung sind, dass ich und Brenda Chapman übertrieben. Aber tun wir das? Es geht hier um Kinderspielzeug. Muss es denn so stark sexualisiert werden? Durch die Wegnahme des Bogens wird ihr im Grunde ihre Selbstständigkeit genommen. Stattdessen wird sie in ein glitzerndes Kleid gequetscht, wogegen sie sich im Film so gewehrt hat. Ihr wird das weggenommen, für das sie gekämpft hat. Ihr eigener Wille wird ihr damit symbolisch gebrochen, stattdessen unterzieht man sie einer Schönheitsbehandlung. Ihr Charakter rückt in den Hintergrund und ihr Aussehen wird betont. Ist doch egal, was sie sagt, was sie denkt, was sie ausmacht. Jetzt ist sie hübsch. Genau das ist die Botschaft die man damit schon jungen Mädchen vermittelt. Wenn ich so darüber nachdenke, ist genau das gleiche mit Mulan passiert als sie zur Disney-Prinzessin wurde. Ihr hat man die Uniform und die kurzen Haare – ihre eigene Entscheidung, ihre Stärke, ihren Kampfgeist, ihre Liebe zu ihrem Vater, ihr Kampf gegen Tradition – genommen und dafür hat man sie in einen Kimono [oder wie man das Ding in chinesisch nennt] gesteckt, in dem sie sich laut Film nicht mal wohl fühlte. Sie konnte nichts damit anfangen, eine traditionelle, chinesische Schönheit zu sein. Darum dreht sich der ganze Film. Darum dreht sich auch die ganze Fortsetzung. Wir haben also zwei Filme, die davon handeln, dass Mulan nicht die traditionelle, lächelnde Prinzessin ist und dennoch wird sie als solche verkauft. Im Kleid, charakterlos, einfach ein weiteres hübsches Gesicht. Die Botschaft ist eindeutig: niemand interessiert sich für deine Überzeugung, deine Taten, deine Träume, man interessiert sich nur dafür, wie du aussiehst. Und wir drücken es unseren Kindern in die Hand und wundern uns, warum Mädchen schon mit fünf Jahren an Diäten denken.
„Statt dass sich Freiheit und Potential der Frauen voll entfalten könnten, definiert die neue hypersexualisierte Kultur weiblichen Erfolg neu, und zwar ausschließlich im engen Rahmen der sexuellen Anziehungskraft.“3

with Love
xoxoxo



1 Walter, Natasha: Living Dolls. Warum junge Frauen heute lieber schön als schlau sein wollen. Übersetzt v. Gabriele Herbst. Frankfurt am Main 2011. Seite 165.
2 Liberatore, Paul: 'Brave' creator blasts Disney for 'blatant sexism' in princess makeover. (http://www.marinij.com/millvalley/ci_23224741/brave-creator-blasts-disney-blatant-sexism-princess-makeover, Zugriff am 12.05.2013)
3 Walter, Natasha: Living Dolls. Warum junge Frauen heute lieber schön als schlau sein wollen. Übersetzt v. Gabriele Herbst. Frankfurt am Main 2011. Seite 22

Samstag, 11. Mai 2013

Himmelhoch jauchzend, zum Tode betrübt


Himmelhoch jauchzend, zum Tode betrübt

to Anna

Heute möchte ich eigentlich zwei Dinge erzählen, einmal möchte ich von zwei Erlebnissen, die ich auf der Zeil in Frankfurt hatte, berichten und dann übers Wetter reden. Man kann nie genug über das Wetter reden. Aber alles von Anfang an:

Ich oute mich jetzt als einer dieser kaltherzigen, egoistischen Menschen, die den Großteil von Bettlern auf der Straße ignoriert. Ich geh sogar noch weiter und sage, dass ich von ihnen teilweise wirklich genervt bin. Damit meine ich, dass ich es schrecklich finde, wenn ich eine Dose in der Hand halte und aus ihr trinke, mir auf einmal ein Mann hinterher rennt und mich alle zwei Minuten fragt, ob ich endlich fertig wäre. Für mich persönlich grenzt das fast an Belästigung. Oder die Menschen, die in der Fußgängerzone sitzen und ihre verwundeten, verkrüppelten – gibt es einen netten Weg verkrüppelt zu sagen? – Körperteile so präsentieren, dass man sie sehen muss. Wozu? Soll das mehr Mitleid erregen? Soll ich eher bereit sein, Menschen Geld zu geben, die eine Art Behinderung haben? Soll ich ab sofort Rollstuhlfahrern mein Geld in die Hand drücken? Schließlich sind sie ja benachteiligt, zumindest versucht man mir das doch klar zu machen. Natürlich ist mir bewusst, dass sie damit ausdrücken möchten, dass sie nicht selbst für sich sorgen können. Was mich aber wieder dazu bringen würde, jedem Menschen mit Behinderung Geld zu schulden. Mir geht es einfach darum, soll ich sie anders behandeln als andere Menschen, die um Geld bitten, nur weil sie auch körperlich eingeschränkt sind? Das klingt für mich irgendwie nicht richtig. Ich behandle nicht-arme Behinderte doch auch nicht anders, sondern als ganz normale Menschen. Wieso ändert sich das, wenn sie um Geld bitten? Wieso muss/soll ich sie dann anders behandeln, ihnen mehr geben als anderen?
Bevor man mich jetzt für den Anti-Christen hält: Ich gebe meine Pfandflasche öfters an die Männer ab, die Flaschen aus dem Mülleimer ziehen und nie auf die Idee kämen mich nach meiner zu fragen. Ich gebe Lebensmittel und volle Getränkeflaschen, die ich manchmal einfach kaufe, weil ich im Kaufrausch war oder eben etwas kaufen musste um ein Klo verwenden zu dürfen, oft an die Obdachlosen ab, die an der Zeil „wohnen“ und nie nach Geld fragen. Oder wenn ich mir einen Snack eingepackt hatte und dann merke, ich habe doch keinen Hunger. Ich schmeiße relativ hohe Geldsummen in die Hüte oder Instrumentkisten von Straßenmusikern, die ich für gut erachte. Ich weiß nicht wieso, aber ich fühle mich einfach nicht wohl dabei, Menschen die um Geld so penetrant betteln, Geld zu geben. Vielleicht liegt es an den ganzen Horrorstorys über „osteuropäische Bettlerbanden“ [Vorsicht! Stigmatisierung!] oder vielleicht bin ich doch der Anti-Christ. Und mir ist durchaus bewusst, was für eine Überwindung es sein muss, nach Geld zu fragen. Ich kann nicht mal Geld oder Lebensmittel von Freunden annehmen, wenn sie mich unterstützen wollen, weil ich am Ende des Monats wegen irgendwelcher dummer Zufälle absolut Pleite bin. Wie schlecht muss es einem also gehen, wenn man wildfremde Menschen danach bittet? Natürlich muss man diesen Menschen irgendwie helfen, aber im Gegensatz zu den Obdachlosen von denen ich gerade erzählt habe, weiß ich, dass zumindest ein Bettler auf der Zeil eine Wohnung hat, zu der er jeden Abend fährt und dort schläft. 
Long story short: Letzte Woche hab ich zwei Dinge mit besagter Personengruppe erlebt, die mich sehr nachdenken ließen: Ich lief mit einer Freundin an einem recht jungen auf der Straße lebendem Mann vorbei. Der war gerade dabei aufzustehen, weil ein Mann seine fast aufgeraucht Zigarette hatte fallen lassen. Könnt ihr mir folgen? Junger, obdachloser Mann steht auf, weil er die fast aufgeraucht Kippe eines anderen aufheben und rauchen möchte! Und mit fast aufgeraucht meine ich, so viel, dass vielleicht noch ein oder zwei Züge drin sind. Nichts wofür irgendjemand, der das hier liest, auch nur einen Blick verschwendet hätte. Das war das vermutlich traurigste, was ich in meinem Leben jemals gesehen habe. Wir haben ihm dann eine frische Zigarette angeboten. Natürlich ist es nicht gut Süchte zu unterstützen blablabla. Ich verbuche es dennoch unter guter Tat.
An einem anderen Tag, sonnig und warm, saß ich an der Zeil und hab für die Uni gelernt und das Wetter genossen. Auf jeden Fall stand dort dann ein Mann, der seiner Frau – mit vermutlich gemeinsamer Tochter – erklärt hat, warum er sie geschlagen hat. „Du hast mich provoziert. Immer weiter. Das heißt, dass du dir eine fangen willst. Bei Männer ist das so, wenn du provozierst. Irgendwann schlagen wir. Du sollst mich halt nicht provozieren. Das ist die Natur des Mannes, der muss dann zuschlagen!“ Man kann sich vorstellen, ich hätte am liebsten gekotzt. Einer der Obdachlosen, denen ich ab und an etwas zu Essen geben, hat das Gespräch auch mitbekommen und mit einem lauten „Man schlägt keine Frauen, du bist kein Mann!“ kommentiert. Ehrlich, Applaus. Dieser Mann hat meinen ganzen Respekt. Ich hatte viel zu viel Angst vor diesem Typen um irgendwas zu sagen, daher ziehe ich meinen Hut. Und ist es nicht unglaublich traurig, dass ein Mann, der auf der Straße lebt, mehr Ahnung von richtig und falsch hat, als ein nicht-obdachloser Mann mit Kind? Können wir über unsere Gesellschaft kurz nachdenken?

Themenwechsel: Deutschland kennt nur noch zwei Extreme: Höllenfeuer-Hitze und antarktische Kälte. Ich bin mir nie sicher, ob ich einen Rock tragen soll oder die Winterjacke wieder hervor kramen möchte. Meistens wechselt es ja auch von einem Tag zum nächsten. Und damit ist Deutschland eine viel zu treffende Metapher für mein Leben. Ich bin himmelhoch jauchzend und zu Tode betrübt. Morgens komme ich kaum aus dem Bett und Abends nicht mehr rein. Ich verbringe mein Zeit entweder auf der Arbeit oder in der Uni oder ich lerne für die Uni. Das erklärt auch die deprimierend kleine „books 2013“ Liste. Wenn ich wüsste, wann ich lesen soll, würde ich es durchaus tun.
Aber zurück zu meinem Monolog des Selbstmitleids: Ich bin so unglücklich wie schon lange nicht mehr und traurigerweise gibt es nicht mal einen Grund dafür. Im Grunde sammle ich first world problems [vielleicht gehe ich in einem anderen Post mal näher darauf ein] und steigere mich in sie hinein, z.B. das ich dieses Jahr kaum Bücher gelesen habe, das meine Wohnung aussieht wie shit und ich einfach keine Zeit finde, sie aufzuräumen. Andererseits werde ich langsam doch etwas glücklicher mit mir selbst. Ich treibe viel mehr Sport als früher – was nicht schwer ist, da ich früher gar keinen Sport gemacht habe – und halte Diäten mehr oder weniger durch. Allein die Tatsache, dass ich für sechzig [60!!!!] Minuten joggen kann, ist für mich eine absolute Glanzleistung. Früher konnte ich nicht mal fünf Minuten joggen. Aber was bringt mir meine Sportlichkeit – ja, ich weiß, ich bin noch lange nicht sportlich, aber ich messe das einfach in meinen Maßstäben und demnach hab ich schon fast eine olympische Goldmedaille verdient – und meine Diäten wenn ich immer wieder Schokoladenflashs bekomme und geschätzte drei Kilos auf einmal in mich reinstopfe?
Sobald die Sonne scheint habe ich absolute Glücksmomente und könnte die Welt umarmen, ich verbringe die Zeit mit Büchern, Freunden, der Sonne! Das Leben ist schön, ich genieße mein Leben wie es ist und am nächsten Tag möchte ich stundenlang weinen und das Haus nicht verlassen. Life is suffering. Und ich ein verwöhntes, jammerndes Mittelklassemädchen.

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